Zugegeben: Manchmal triftet man im Unterricht etwas ab, greift spontan Themen auf, die nicht ganz im Fahrplan des Unterrichts liegen. Das halte ich für richtig - umso mehr, wenn dabei auch affektive Lernziele erreicht werden und Betroffenheit erzeugt wird.

So ergab es sich in einer SWR-Stunde zur Subsumtion am Beispiel der Nothilfe, dass wir uns fragten, wieviel Gewalt zur Verteidigung angewendet werden darf. Ich forderte die Schüler auf: Schreiben Sie bitte einen kurzen Text zu dieser Fragestellung. Gesagt - getan.

Besonders gut gefallen hat mir dieser Text von A. S., den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

Gewaltexzesse

"Gewalt hat keinen Anfang und kein Ende. Gewalt tritt in allen Bereichen der menschlichen Gesellschaft auf; für alle Gesellschaften ist sie konstitutiv. 'Gewalt schafft Chaos, und Ordnung schafft Gewalt.‘" (Zitat: Quelle). Wenn wir von Gewalt reden, denken wir intuitiv an die derzeitigen Geschehnisse in Syrien - Krieg. Da werden schnell mal die greifbareren Geschehnisse verdrängt. News überfluten uns mit exzessiver Brutalität in Kriegsgebieten. Dabei vergessen wir oft, dass diese exzessive Brutalität auch direkt um die Ecke geschehen kann. Vielleicht sogar Wand an Wand zu uns. Wir sprechen hier von häuslicher Gewalt, Vergewaltigung und Mord auf bestialische Art und Weise. Die Zahlen sind laut Statistiken unvorstellbar hoch. Noch dazu muss man bedenken, dass die Dunkelziffer für diese Statistiken drei Mal höher ist.

Doch was veranlasst das eigentlich soziale Wesen, den Menschen, dazu, Taten in diesem Ausmaß mit schlimmen Folgen an einem anderen Menschen zu verüben?

Diese Frage stellen sich Kriminologen schon seit langem. Meist sind Armut, Neid, Eifersucht, Rache und auch psychische Probleme die Hauptauslöser für ein Tätermotiv. Häufig schweben den Tätern die gerichtlichen Folgen ihrer Tat während des Vorgangs oder auch danach vor den Augen. Ihnen ist klar: Barbarische Gewaltexzesse werden meist vom Richter mit langer Haft bestraft. Dabei ist die dabei angewandte Brutalität, das Tätermotiv und die Umstände eines Gewaltexzesses wichtig für die Exekutive.

Doch dabei stellt sich die Frage, ab wann kann man von einem Gewaltexzess sprechen? Wenn wir das Wort trennen fällt uns auf, es ist zusammengesetzt aus dem Wort Gewalt und Exzess. Zur Erklärung stürzen wir uns genauer auf das Nomen ,,Exzess'' abgeleitet von dem Adjektiv exzessiv. Übersetzt bedeutet das, maßlos oder das Maß überschreitend. Um genau zu sein fängt ein Gewaltexzess dann an, wenn Gewalt im Übermaß angewendet wird und nicht nur zum eigentlichen Zweckgedanken der fortgeführten Tat dient. Hierbei wird der unkontrollierte Gewaltexzess gemeint, der nach einem sogenannten ,,Knockout'' noch hinzukommt. Beispielsweise ein fortgeführtes Einprügeln auf das Opfer, welches schon wehrlos auf dem Boden liegt. Moralisch natürlich noch verwerflicher als die eigentliche Tat an sich.